Was macht eigentlich ein Grafik Designer?

"Kreativität ist allgemein die Fähigkeit, etwas vorher nicht da gewesenes, originelles und beständiges Neues zu kreieren"  -- (Mumford, Michael (2003): Where have we been, where are we going? Taking stock in creativity research)

Viele Menschen können sich unter der Jobbezeichnung „Grafik Design“ nichts vorstellen. Immer wieder werde ich gefragt, was ich denn da eigentlich den lieben langen Tag so mache. Eine Frage, die gar nicht ganz so leicht zu beantworten ist, da die Aufgabenstellungen stark variieren und es allein durch die beiden Kategorien „Print“ und „Online“ zwei unterschiedliche Welten zu bewerkstelligen gibt.

Grundsätzlich kann zwischen zwei unterschiedlichen Arbeitsweisen unterschieden werden:

  • Umsetzung/Abarbeiten von bestehenden Designs
  • Neugestaltung eines Objektes (z.B. Logo)  

Arbeiten mit bestehenden Designs

Als Grafik Designer sitzt man NICHT (entgegengesetzt dem Bild, das viele von uns zu haben scheinen, und dem das man eventuell während der Ausbildung genossen hat) mit Stift und Block im nächsten hippen Kaffee und schießt ein tolles Design nach dem anderen aus der Hüfte. Kreativität und Ideenprozess sind größtenteils bei Neugestaltungen gefordert, alles andere beruht auf technischem Know-How, dem Finden rationaler Lösungen, dem Einarbeiten von Kundenfeedback, Korrekturen, etc.   

Ein Beispiel: 
Gibt es ein CD-Manual (CD=Corporate Design) ist darin festgelegt wie Drucksorten und Online-Welt auszusehen haben. Dabei ist oft ganz genau definiert, welche Größe und Position ein Logo auf diversen Formaten zu haben hat, welche Bilder zu verwenden sind etc. Die Herausforderung liegt also darin, diese Regeln mit allen anderen Komponenten (Textmenge, Formate) einzuhalten.

Special Olympics Anzeigen für Coca-Cola in verschiedenen Formaten. Besonders wichtig war, dass das Herz-Element in allen Varianten erkennbar bleibt. Dabei durfte aber die Form nicht verändert werden (beispielsweise in die Höhe oder Breite zu ziehen). Ab einem bestimmten Querformat (Abbildung Rechts unten) war es nicht mehr möglich, diese Ansicht inkl. Bild und Text zu gewährleisten. Deswegen musste auf eine andere Optik umgestiegen werden.

Entwicklung von neuen Designs

Bei kreativen Aufgaben sieht die Welt ganz anders aus. Man kann sich die Ausgangslage in etwa so vorstellen als würde man vor einem leeren Blatt Papier sitzen und es befüllen müssen. Man soll aus Nichts etwas noch nicht Dagewesenes kreieren. Meist sind die Anforderungen vage, dafür aber auch hoch: Innovativ, herausragend, neuartig, für möglichst Jeden ansprechend – gleichzeitig aber auch individuell. Für mich macht genau dieser Reiz den Beruf so liebenswert. 

Es ist eine Herausforderung, oft schwitzt man regelrecht vor Verzweiflung weil man schon zum hundertsten Mal ein Objekt von A nach B geschoben hat und noch immer nicht zufrieden ist. Dennoch gibt es nichts Schöneres, als mit stolzer Brust sein vollendetes Werk zu betrachten.  

Die Herangehensweise an den Design-Prozess ist individuell. Manche scribbeln gerne vorerst seitenweise grobe Ideen, manche hören Musik und bauen im Kopf Bilder, manche lesen zuerst Hintergrundinformationen zum Thema. Was in jedem Fall wichtig ist zu bedenken: Auch wenn die Ergebnisse oft kunstvoll aussehen, ist man als Grafik Designer kein Künstler. Sprich, das Gestaltete muss dem Kunden auch verkauft werden. Da Geschmäcker oft grundverschieden sind, oder der Kunde an Firmenstrukturen gebunden ist, stelle ich mir den optimalen Ablauf so vor:

  1. Erfragen eines Briefings (im Briefing sollten alle wichtigen Inputs seitens des Auftraggebers vorhanden sein) 
  2. Erstellung eines Moodboards um verschiedene Stilrichtungen aufzuzeigen, die ich mir für das Projekt vorstellen könnte. 
  3. Abstimmung des Moodboards mit dem Auftraggeber/Festlegung einer Stilrichtung - Finden einer Schrift 
  4. Gestaltung der Abbildung (je nach Stil illustrieren, Bilder suchen, selbst fotografieren, Layout gestalten,…) 
  5. An den Farben drehen 
  6. Zwischen-Check mit dem Auftraggeber 
  7. Reinzeichnung/Finalisierung

Für den Get Active Social Business Award wird jährlich ein neues Anzeigensujet gestaltet. Optische Grundsteine sind die Gewinner des Vorjahres und die Sponsoren (Standard, WU und Coca-Cola). In der Version 2017 bilden die beiden Gewinner des Start-Ups „Refugeeswork.at“ das T und das I. Die restlichen Buchstaben sind aus Elementen der Sponsoren und Fotos von Flüchtlingen gebaut, die bereits von Refugeeswork.at an Arbeitgeber vermittelt wurden.

Was bedeutet es ein Grafikdesigner zu sein?

Grafik Designer zu sein bedeutet eine Gratwanderung zwischen Kunst und Dienstleistung zu beschreiten. Die eigenen Vorstellungen, sowie die der Kunden zu erfüllen. Zeiteffizient zu arbeiten ohne die Kreativität darunter leiden zu lassen. Zu lernen, es nicht persönlich zu nehmen, falls die eigenen Favoriten bei den Kunden nicht so gut ankommen. Denn auch wenn man versucht es abzuschalten, steckt in jedem kreativen Design Herzblut und ganz viel Persönlichkeit.